Fraunhofer AISEC tritt OpenHW Foundation bei – offene Hardware als Basis für digitale Souveränität

Pressemitteilung /

© OpenHW Foundation

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC ist der OpenHW Foundation beigetreten. Ziel der Zusammenarbeit ist es, offene, vertrauenswürdige und hochsichere Hardware-Plattformen voranzutreiben und damit einen zentralen Baustein für digitale Souveränität in Europa zu stärken.

Garching bei München, 01.06.2026 – Digitale Souveränität setzt Unabhängigkeit von proprietären Hardware- und Software-Stacks voraus. Offene Architekturen und quelloffene Implementierungen ermöglichen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und langfristige Kontrollierbarkeit – zentrale Voraussetzungen, um kritische Infrastrukturen, Industrie und Verwaltung resilient und sicher zu gestalten.

Secure System-on-Chip auf Basis von CVA6 und OpenTitan

Gemeinsam mit Partnern entwickelt das Fraunhofer AISEC ein Secure System-on-Chip (SoC), das auf dem RISC-V-basierten CVA6-Core und der Open-Source-Root-of-Trust-Plattform OpenTitan aufsetzt. Diese Kombination schafft eine hochgradig anpassbare, offene und überprüfbare Grundlage für sicherheitskritische Anwendungen, z.B. in der Industrieautomation, kritischen Infrastrukturen oder im Automotive-Bereich.

Das Fraunhofer AISEC bringt hierfür seine langjährige Expertise in Hardware- und Software-Security ein – von der sicheren Architektur und Implementierung über Side-Channel- und Fault-Injection-Resistenz bis hin zu sicheren Update- und Lifecycle-Konzepten.

GyroidOS: Linux-basiertes Secure OS auf CVA6-FPGA

Ein wichtiger Technologieträger ist das am Fraunhofer AISEC entwickelte Linux-basierte Betriebssystem GyroidOS. Es läuft bereits auf einem FPGA, das CVA6-Cores nutzt, und dient als Referenzplattform für sichere Systemarchitekturen auf Basis offener Hardware.

Die Weiterentwicklung erfolgt aktuell in zwei Richtungen:

  • Umsetzung als ASIC für den produktiven Einsatz in Industrie- und Sicherheitsanwendungen
  • Integration zusätzlicher Security-Features, etwa zur Härtung der Speicherverwaltung, Isolierung von Komponenten sowie Mechanismen zur sicheren Aktualisierung und Überwachung über den gesamten Lebenszyklus 

Hardware-Software-Codesign für »Security by Design«

Durch konsequentes Hardware-Software-Codesign können Sicherheitsfunktionen umgesetzt werden, die in klassischen, rein softwarebasierten Ansätzen oft nicht oder nur mit hohem Aufwand realisierbar sind. Dies betrifft beispielsweise:

  • Memory-Safety-Mechanismen und fein granular durchsetzbare Zugriffsrechte
  • Hardware-unterstützte Isolation von Anwendungen und sensiblen Komponenten
  • Vertrauenswürdige Boot- und Update-Pfade mit nachweisbarer Integrität

Offene Hardware erleichtert diese Ansätze, da Schnittstellen, Implementierungsdetails und Sicherheitsanforderungen gemeinsam im Ökosystem entwickelt und überprüft werden können.

Aktive Beiträge zur OpenHW Foundation

Das Fraunhofer AISEC unterstützt das Open-Source-Modell und wird sich aktiv in die Arbeit der OpenHW Foundation einbringen. Erste Beiträge – etwa zum CVA6‑SDK – sind bereits in das Upstream-Projekt eingeflossen.

Von diesen Beiträgen profitieren gleichermaßen die Kunden des Fraunhofer AISEC sowie alle Nutzer des CVA6-SDK:

Indem Security-Verbesserungen und Werkzeuge direkt in die zentralen Open-Source-Projekte einfließen, sinkt der Aufwand für kundenspezifische Anpassungen und Eigenentwicklungen. Gleichzeitig erhöht sich die Qualität und Wiederverwendbarkeit der Lösungen im gesamten Ökosystem.

»Offene, überprüfbare Hardware ist ein Schlüssel zur digitalen Souveränität«, sagt Sascha Wessel, Abteilungsleiter Secure Operating Systems am Fraunhofer AISEC. »Durch unseren Beitritt zur OpenHW Foundation verbinden wir Spitzenforschung in der Cybersicherheit mit einer starken, internationalen Community und schaffen so vertrauenswürdige Grundlagen für zukünftige IT-Systeme.«

»Unsere Arbeiten an einem Secure SoC auf Basis von CVA6 und OpenTitan sowie GyroidOS zeigen, dass Sicherheit und Offenheit kein Widerspruch sind«, ergänzt Wessel. »Im Gegenteil: Durch Hardware-Software-Codesign in offenen Plattformen können wir Sicherheitsmechanismen umsetzen, die mit proprietären Lösungen kaum erreichbar sind.«

 

Über das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC ist eine der international führenden Einrichtungen für angewandte Forschung im Bereich Cybersicherheit. Etwa 230 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an maßgeschneiderten Sicherheitskonzepten und Lösungen für Wirtschaftsunternehmen und den öffentlichen Sektor mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit von Kunden und Partnern zu verbessern. Dazu zählen Lösungen für eine höhere Datensicherheit sowie für einen wirksamen Schutz vor Cyberkriminalität wie Wirtschaftsspionage und Sabotageangriffe. Das Kompetenzspektrum erstreckt sich von Embedded und Hardware Security, über Automotive und Mobile Security bis hin zu Sicherheitslösungen für Industrie und Automation. Zudem bietet das Fraunhofer AISEC in seinen modernen Testlaboren die Möglichkeit zur Evaluation der Sicherheit von vernetzten und eingebetteten Systemen, von Hard- und Software-Produkten sowie von Web-basierten Diensten und Cloud-Angeboten.

Über die OpenHW Foundation

Die OpenHW Foundation bringt Hardware- und Software-Designer zusammen, um Open-Source-Core-Designs und zugehörige IP, Tools und Software zu entwickeln – für den kommerziellen wie akademischen Einsatz. Diese kollaborativ entwickelten Designs werden von Industriepartnern übernommen und angepasst, um Cores für ein breites Spektrum von Anwendungen bereitzustellen – von kleinen eingebetteten Geräten wie Mobiltelefonen bis hin zu Hochleistungsrechnern.